Handballtalente im Fokus! Heute mit Lea Rühter

Auffallend ist das viele weibliche Talente zum Handball durch ihre Eltern bzw. spielende Mütter gekommen sind. Babysitter = Sporthalle. Toll, wenn man so unbeschwert aufwachsen durfte. Meine heutige Gesprächspartnerin Lea Rühter gibt uns da jetzt ein paar Einblicke. Ein Gespräch über ihre bisherige Handball-Karriere die Nationalmannschaft und warum sie überhaupt im Tor steht. Ich freue mich sehr die Psychologie-Studentin mit meinen Fragen löchern zu dürfen.

An sich ist es ja fast schon selbstverständlich, das immer neue deutsche Talente in den Ligen und in der Nationalmannschaft ihren Platz finden. Vor allem ist es aber wichtig, genau diese Talente schon in frühen Jahren zu fördern. Auch bei Lea Rühter ist mit der Nachwuchsförderung schon früh begonnen worden.

Nadine: Lea, du bist 22 Jahre jung und spielst schon in der 1. Liga des Buxtehuder SV. Erzähl doch mal ein bisschen von deinem Werdegang. Wann hast du mit dem Handballspielen angefangen? Wie bist du zum Handball gekommen?

Lea: Ich habe angefangen, als ich 5 Jahre alt war. Eigentlich gefühlt schon früher, weil ich immer mit meiner Familie in der Halle war. Meine Mutter hat früher auch hochklassig Handball gespielt und mein Vater war lange Handballtrainer. Ich war immer zu deren Spielen mit dabei. Und habe jede Gelegenheit genutzt, aufs Handballfeld zu rennen, wenn es frei war. Angefangen zu spielen habe ich dann bei der SG Hamburg-Nord von der ich mit 14 Jahren zu der JSG Alstertal/Norderstedt gegangen bin. Mit 16 bin ich dann zum BSV gewechselt, wo ich vor ca. 5 Jahren mein Bundesligadebüt gegeben habe. Im September 2018 habe ich dann noch gegen Russland mein Nationalmannschaftsdebüt gefeiert.

Nadine: Liegt das Handball-Gen in deiner Familie?

Lea: Ja, ich denke schon. Wie bereits gesagt, hat meine Mutter, aber auch mein Vater und mein Bruder früher Handball gespielt. Allerdings war niemand von denen ein Torwart.

Nadine: Du bist gebürtige Hamburgerin, Frauenhandball ist da ja nicht so eine ganz große Nummer?

Lea: Leider nicht so wirklich. Das war auch der Grund, warum ich mit 16 Jahren schon nach Buxtehude gewechselt bin. Das war noch das Dichteste an meiner Heimat. Allgemein ist es sehr schade, dass der Frauenhandball im Norden nicht so stark verbreitet ist. Dementsprechend sind unsere Auswärtsfahrten in den Süden immer sehr lang.

Nadine: Du spielst im Tor! Gibt es eine Geschichte dazu? Hast du zuerst auf dem Feld gespielt? Oder warst du die Jüngste, die ins Tor musste?

Lea: Ja, ich habe bis Anfang der C-Jugend auch noch im Feld gespielt. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass ich mich da nicht so stark weiterentwickelt habe. Und irgendwann hätte nicht mehr mit meinen Freundinnen zusammenspielen können. Da wir zeitweise keine Torhüterin hatten, habe ich mich daran ausprobiert und das hat ziemlich gut geklappt. Im Endeffekt gefällt es mir auch besser, meinen eigenen Raum ohne Körperkontakt zu haben.

Nadine: Welche Junioren-Auswahlmannschaften hast du schon durchlaufen? Und welche Titel hast du gewonnen?

Lea: Ich war von Anfang an bei dem Jahrgang 98/99 in der Jugend Nationalmannschaft dabei und habe mit der 2015 die Europameisterschaft gespielt. 2017 kam dann mit den Juniorinnen meine 2. EM dazu und 2018 schließlich auch meine erste Weltmeisterschaft. Mit der Jugend-Nationalmannschaft war ich allerdings nie ganz vorne dabei. Dafür habe ich 2016 und 2017 mit der A Jugend die deutsche Meisterschaft gewonnen und 2017 auch den Pokalsieg der Bundesliga geholt.

Nadine: Dein A-Länderspiel-Debüt hast du auch schon gegeben. Wie ist das im Kreise der Nationalmannschaft? Gib uns mal einen kleinen Einblick. 

Lea: Bei der Nationalmannschaft zu sein, ist definitiv eine große Ehre und bringt total Spaß, mit den besten Spielerinnen aus Deutschland zusammenzukommen. Es ist schön, dass jede das gleiche Ziel verfolgt und man in jedem Training bis zum Maximum gefordert wird. Trotzdem steht der Aspekt, „Freude an der ganzen Sache zu haben“, stark im Vordergrund. Die Mannschaft ist also nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch daneben ein tolles Team, wo man sich als neue junge Spielerin schnell wohlfühlen kann.

Nadine: Erzähl uns mal aus deiner Sicht, was den Frauen-Handball ausmacht! Warum es sich wirklich lohnt, in die Halle zu gehen bzw. jetzt zu streamen.

Lea: Ich finde, dass der Frauenhandball sehr facettenreich ist. Wir haben im Vergleich zu den Männern nicht so viel Kraft, sodass wir Frauen darauf angewiesen sind, auf viele taktische Mittel zurückzugreifen. Der Frauenhandball hat sich zu einem enorm schnellen Spiel entwickelt und lebt von Emotionen und Teamgeist. Ich denke, dass Handball allgemein nie langweilig wird, weil sowohl die Trainer als auch die Spielerinnen Freude daran haben, neue taktische Mittel zu finden und den Handball immer weiter zu entwickeln.

Nadine: Seit 2014 spielst du für den Buxtehuder SV. Erst in der A-Jugend und jetzt in der 1. Mannschaft. Erzähl uns was von euren Saisonzielen und bring uns dein Team etwas näher. 

Lea: Ich denke, dass man an dem bisherigen Saisonverlauf schon ziemlich gut sehen kann, dass jede Mannschaft jedes Spiel gewinnen kann, wenn man Topleistung bringt. Genauso kann man ein Spiel auch schnell verlieren, wenn man keinen guten Tag erwischt. Unser Team ist dieses Jahr besonders jung. Ich bin 22 Jahre alt und spiele bereits in Team Alt mit. Das hat definitiv viele Vorteile, weil jede Spielerin auch sehr ehrgeizig ist und Bock hat etwas zu lernen. Aber natürlich ist es mit nur zwei älteren Spielerinnen schwierig genug Erfahrung in das Spiel einzubringen, dessen Wichtigkeit man nicht unterschätzen sollte. Dementsprechend haben wir sehr starke Schwankungen in unserer Teamleistung. Ein Spiel gegen einen deutlich stärkeren Gegner wie Dortmund gewinnen zu können, das macht uns stolz. So ein junges Team hat immer Lust auf mehr und ich möchte weiter daran arbeiten, dass wir Konstanz in unsere Leistung bekommen. Und unser Ziel ist es, am Ende zum einen ins Pokal Final Four einzuziehen und in der Liga vielleicht noch im oberen Mittelfeld der Tabelle landen zu können.

Nadine: Die weltweite Corona-Pandemie macht auch vor dem Handballsport nicht halt. Wie siehst du die aktuelle Situation in der HBF?

Lea: Ich bin sehr positiv überrascht, wie gut wir die Saison bislang überstanden haben. Bei uns gab es noch keinen Corona-Fall und auch ansonsten wurden nur wenige Spiele verschoben. Ich freue mich natürlich, dass wir weiterspielen dürfen, aber wenn die Situation entsteht, dass man die Auswirkungen nicht mehr verantworten kann, finde ich es nur richtig, die Liga erneut zu unterbrechen. Trotzdem laufen die Spiele momentan nicht wie gewohnt ab. Wir spielen ohne Zuschauer, was ein komisches Gefühl ist. Allerdings muss ich auch sagen, dass man gerade in diesen schweren Zeiten merkt, wie viele tolle Dinge sich unsere Fans einfallen lassen, um uns zu unterstützen und ein gutes Gefühl zu geben! 

Nadine: Wie siehst du die aktuelle Situation international? 

Lea: Ich fand es anfangs bedenklich, dass das Turnier unter solchen Umständen, wie es jetzt der Fall war, stattgefunden hat. Noch mehr Zweifel kamen auf, als man von Corona-Fällen in einigen Mannschaften gehört hat. Ich finde es aber schwierig zu sagen, was im Endeffekt die richtige Entscheidung ist. Ich bin froh, wenn alle Spielerinnen nach der EM gesund in ihre Vereine zurückkehren.

Nadine: Blick zurück! Wie siehst du die Entscheidung der letzten Saison, dass kein Meister in der HBF gekürt wurde?

Lea: Das ist ein sehr schwieriges Thema. Ich finde den Vergleich zu den Männern einfach schwierig, dass dort ein Meister gekürt wird und bei den Frauen nicht. Solche Entscheidungen sorgen einfach für Unruhen. Dortmund hätte es in meinen Augen definitiv verdient gehabt. Und für jede Sportlerin in dem Team ist es natürlich auch bitter, nicht die gewünschte Anerkennung für die erbrachte Leistung zu bekommen. Meiner Meinung nach hätte Dortmund als Meister gekürt werden können, weil auch die internationalen Plätze nach diesen Platzierungen verteilt wurden.

Nadine: Liest du Handball-Blogs? ( Natürlich liest du meinen Blog jetzt) Hörst du Podcasts?

Lea: Tatsächlich gar nicht so viel. Ich lasse mir lieber Dinge erzählen, was so in der Handballwelt los ist. Außer ich sehe was sehr Spannendes. Dann möchte ich mir das nicht entgegen lassen.

Nadine: Bist du auf Social Media aktiv? Ist das eine Plattform, die dich interessiert und weiterbringt?

Lea: Ich habe einen Instagram-Account, aber nutze den nicht wirklich für Werbung oder Ähnliches. Grundsätzlich finde ich es schon interessant und würde nicht ausschließen, das in Zukunft irgendwann mehr für mich zu nutzen, aber derzeit halte ich mich noch bedeckter.

Vielen Dank für das Gespräch!

Porträtbilder: Quelle Daniela Ponath Fotografie

Fotos von der Instagram-Seite Lea Rühters. Mit freundlicher Genehmigung.

Veröffentlicht von Nadine H.

Hi, ich bin Nadine Seit meiner Kindheit an, hat der Handball immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Nachdem ich viele Jahre selbst aktiv gespielt habe, hat der Handball-Virus mich nicht mehr los gelassen. Gut das mit GWD Minden ein erstklassiger Verein in meiner Heimatstadt zuhause ist. Aber auch der Handball über die Mindener Grenze interessiert mich. Die Spiele der Nachbarvereine, anderer Bundesligavereine und der Nationalmannschaft interessieren mich

%d Bloggern gefällt das: