Martin Strobel über seine Karriere, seinen Rücktritt vom Profisport und sein Buch!

Ich habe noch ganz genau diesen schmerzhaften Aufschrei von Martin Strobel im Ohr. Ohne gegnerische Einwirkung rutscht er weg und sinkt zu Boden. Es war allen sofort klar, da ist mehr passiert. Eben spielte er noch das Hauptrundenspiel bei der Heim-WM 2019 in Köln vor fast 20.000 Zuschauern und im nächsten Moment liegt er im Krankenbett. Ein Kreuzbandriss im linken Knie bedeutet Operation und eine lange Reha. Wie lange wird es dauern, bis er zurückkommt? Wird er überhaupt zurückkommen? Mitten in der Nacht klappt er seinen Laptop auf und beginnt zu schreiben.

Nach der schweren Knieverletzung kämpft er sich noch einmal zurück aufs Spielfeld. Als die letzte Saison coronabedingt frühzeitig abgebrochen wird, ist schon lange klar, auch Martin hört auf.

Ihn jetzt mit seinen 34 Jahren als Ruheständler zu bezeichnen, fällt mir schwer. Ich freue mich, dass ich die Chance hatte, mit ihm zu sprechen.

Wir haben uns über so viele Sachen unterhalten. Wie ist er zum Handball gekommen, und warum hat er sich für die Spielmacher-Position entschieden? Und ganz besonders hat mich die Sache mit der „Spielmaus“ interessiert.

Ich bin aber auch auf einen ernsten und zielstrebigen Martin Strobel getroffen, der mich mit so mancher Aussage sehr überrascht hat.

Die Entscheidung, seine Karriere zu beenden, ist ihm nicht leicht gefallen

Mit 34 Jahren seine Handball-Karriere zu beenden ist eigentlich zu früh. Aber er arbeitet an anderen Projekten.

Die Entscheidung, seine Karriere zu beenden, ist ihm zur einen Seite natürlich schwergefallen. Zur anderen Seite hatte er sie ja auch bewusst getroffen, kurz nach dem Jahreswechsel. Weil er einfach bei bestimmten Themen gemerkt hat, sei es seine Gesundheit oder seine berufliche Zukunft, dass er sich gerne verändern möchte. Aber wenn man den Handballsport so lange betreibt wie er, fällt das nicht leicht.

Kreuzbandriss – der lange Weg zurück

Eigentlich spricht er sehr distanziert von seiner langen Reha, aber ich denke, dass diese Verletzung und die damit verbundene Reha ein gewaltiger Kraftakt war.

Das alles war nach der schweren Knieverletzung bei der Heim-WM war auch nicht leicht für ihn. Er hat sehr viel dafür investiert, das er wieder zurück auf das Spielfeld kommt. Zumal eine Reha nicht immer linear verläuft. Wie vieles auch im Leben. Es gibt Höhen und Tiefen. Und er war auch mal an den Punkt angekommen, wo es schon mal weitergehen und der nächste Schritt jetzt kommen müsste.

Geduld ist ganz wichtig, aber auch der Zuspruch und das Vertrauen deines Physiotherapeuten. Der dich immer mal wieder abbremst, diesen einen Schritt zu schnell zu wagen und vielleicht noch mal in eine Nachverletzung zu kommen. Da bin ich sehr dankbar, dass ich solche Leute an meiner Seite hatte.

Martin über seine Reha

Sein Herzens-Projekt! Höhepunkt am Tiefpunkt

Sein erstes Projekt war sein Buch Höhepunkt am Tiefpunkt, das am 1. Oktober erschienen ist. Das hat er so aus eigenem Antrieb raus direkt nach der Weltmeisterschaft verwirklicht. Und er hat damit die ganze Geschichte drumherum mitverarbeitet. Aber er möchte damit auch allen etwas weitergeben.

Sein Hauptfokus liegt jetzt aus der Erfahrung, aus dem Teamsport auf höchstem Niveau in Workshops und Vorträgen weiterzugeben. Was die Team- und Personalentwicklung sowie im Sport und im Wirtschaftsleben angeht. Denn immer da, wo Menschen zusammenkommen ist es extrem wichtig, gut zusammenzuarbeiten, die nötigen Ziele zu erreichen und erfolgreich zu sein. Da kombiniert er sein Wissen und die Methodik aus seinem Studium im Managementbereich. All das möchte er sich in der nächsten Zeit aufbauen.

   

Martin als Experte am Mikro?

Für das SWR war er vor Kurzem bei einem Vorbereitungsspiel als Co-Kommentator und Experte vor Ort. Das hat ihm Spaß gemacht, aber sein Hauptfokus liegt dort nicht. Zur Abwechslung aber macht er das gerne.

Im Alter von 4 Jahren ist er zum Handball gekommen, die Spielmacher-Position kristallisierte sich erst später heraus

Im Alter von 4 Jahren ist er zum Handball gekommen. In der kleinen Ortschaft, in der er aufgewachsen ist, gab es in dem Sportverein nur die Handballabteilung und somit ist er zum Handball gekommen. Weil alle anderen das auch gemacht haben.

Erst im Jugendalter kristallisierten sich seine Spielmacher-Qualitäten heraus. Angefangen ist er sogar auf Linksaußen, dann auch mal auf Rückraum-Links. Der Grund dafür, dass er letztendlich auf der Mitteposition blieb, war, dass ihm die körperliche Größe fehlte.

Der Spaß am Spiel, die schnellen Zusammenhänge und das taktische Verständnis für bestimmte Situationen lagen ihm da schon besonders gut.

Das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, die Mannschaft zu steuern und zu lenken und im Angriff die Akzente zu setzten.

Martin über seine Spielmacher-Position

Tipp vom Profi für angehende Spielmacher

Als Spielmacher muss man schnelle Entscheidungen treffen, teilweise in Millisekunden, das ist aber auch eine Frage von Erfahrung. Und mit welchem Fokus man in die Vorbereitung geht. Auch wie man sich im Vorfeld mit einem Spiel auseinandersetzt.

  • Martins Tipp: Vorbereitung ist alles, sei es im Sport oder im Leben allgemein. Somit bekommt man eine gewisse Routine und Sicherheit, um dann eben unter Stress die Entscheidungen präzise und schnell fallen zu können.

2016 war ein erfolgreiches Jahr in der Nationalmannschaft Europameister und Olympia-Bronze in Rio

Auf das sehr erfolgreiche Jahr 2016 angesprochen verändert sich Martins Tonlage plötzlich. Man merkt, dass ihm diese Erfolge sehr viel bedeuten.

2016 war eine super Zeit in der Nationalmannschaft. Es war unbeschreiblich, schon von Beginn der Europameisterschaft an. Auf diesem Niveau mit dieser Mannschaft diesen Titel zu erreichen. Das war schon ein ganz besonderer Moment, als der Goldregen runterkam nach der Siegerehrung. Damit auch verbunden die Qualifikation für die Olympischen Spiele zu erreichen, da ging für ihn ein langersehntes Ziel in Erfüllung.

Das Ganze dann mit einer Medaille abzuschließen ist unbeschreiblich. Darum war es schon eine extrem schöne und geile Zeit.

Martin über EM und Olympische Spiele 2016

Christian Prokop bezeichnete Martin als „seine Spielmaus“. Was hat es damit auf sich?

Das war natürlich auf die Spielmacher-Position bezogen. Martin hat es einfach gemocht, sich mit Christian in die Spielsituationen hineinzudenken. Vielleicht auch mal was anderes auszuprobieren. Und immer wieder neue Bewegungen einzustudieren, auch für die Mitspieler. Denn das ist ja letztendlich der Job des Spielmachers. Dieses Denken darum hat ihn wohl die Aussage zu der Spielmaus machen lassen.

Balingen oder Lemgo?

Balingen ist seine Heimat, auch wenn er jetzt dort nicht mehr wohnt. Aber er hat so lange da gespielt und kennt viele Leute. Und er ist sehr dankbar, dass er den Weg dort gehen konnte. Daher fühlt er sich sehr wohl in Balingen.

Allerdings hat er fünf Jahre in Lemgo gespielt, das zeigt, dass er sich aber dort auch sehr wohl gefühlt hat. Und man kann Lemgo durchaus mit Balingen vergleichen. Von der Stadtgröße und vom Umfeld her. Sonst wäre er mit Sicherheit keine fünf Jahre dortgeblieben.

Bei beiden Vereinen gab es auch verschiedene Voraussetzungen. In Balingen war es oberstes Ziel, die Liga zu halten. Und es gab trotzdem viele schöne Momente. Aber allein auf Titel bezogen, war Lemgo erfolgreicher. 2010 wurde der Europapokal gewonnen und oftmals im vorderen Tabellendrittel mitgespielt. International hat Martin dort viele Spiele absolviert und es war eine ganz andere Kategorie.

Martin ist auf vielen Social Media-Plattformen aktiv, jetzt liest er auch meinen Blog – Yes!!!

Instagram und Facebook sind seine Plattformen, was so den sportlichen Part angeht. Für den Business-Part zusätzlich noch auf LinkedIn. Er möchte einfach einen kleinen Einblick geben. In das, was er in den letzten Jahren gemacht hat und was in Zukunft noch ansteht.

Zusätzlich hört er sehr gerne Podcasts, wenn er im Auto unterwegs ist. Weil man sich da die Themen rauspicken kann, die einen interessieren. So kann man viel über andere Interviews über Persönlichkeiten lernen, an die man sonst nicht so mühelos kommt.

Fotos: privat

Und Red Devils Fotogalerie/JW Vielen lieben Dank an Jens Wiegmann, der mich immer wieder mit tollen Fotos versorgt.

Veröffentlicht von Nadine H.

Hi, ich bin Nadine Seit meiner Kindheit an, hat der Handball immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Nachdem ich viele Jahre selbst aktiv gespielt habe, hat der Handball-Virus mich nicht mehr los gelassen. Gut das mit GWD Minden ein erstklassiger Verein in meiner Heimatstadt zuhause ist. Aber auch der Handball über die Mindener Grenze interessiert mich. Die Spiele der Nachbarvereine, anderer Bundesligavereine und der Nationalmannschaft interessieren mich

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