Mühlenkreis-Handballer im Blickpunkt! Heute mit Christian Spönemann

In den 90er Jahren übertrug Radio Westfalica alle Heimspiele und viele Auswärtsspiele vom (damaligen) TuS Nettelstedt und GWD Minden. Christian war für den TuS Nettelstedt und Carsten Dehne für GWD Minden am Mikro dabei. Mit Carsten Dehne hatte ich übrigens auch schon gesprochen, das könnt ihr hier nachlesen.

Das Gespräch mit Christian Spönemann war nicht nur megainteressant, es hat bei mir sofort für gute Laune gesorgt. Christian ist ein Mann, der einen nur mit seiner Stimme in seinen Bann ziehen kann. Klar, er ist ja auch ein Mann, der mit seiner Stimme arbeitet. Die Handball-Fans hat er mit seinen Handball-Live-Übertragungen begeistert.

Wir haben über viele Dinge gesprochen. Über Spieler, die kamen und gingen. Über technische? Probleme bei Live-Übertragungen. Über seine weitere Laufbahn. Über besondere Spiele, die in Erinnerung geblieben sind.

Und über all dem steht die Frage: „Braucht man Blaskapellen bei Handballspielen?

Erst Praktikant, dann freier Mitarbeiter und dann Redakteur

In der Aufstiegssaison vom TuS 93/94 begann es mit 30 Sekünder Zusammenfassungen. Im Jahr drauf war er zum ersten Mal live beim Spielothek-Cup mit Carsten Dehne und Ralf Huber. Besonders von Carsten Dehne konnte er sich viel abschauen. Damals war der Handball auch schon etwas langsamer, weil es noch keine schnelle Mitte gab. Natürlich war er zu Anfang der Live-Übertragungen auch aufgeregt. Aber er hielt sich gerne an das, was Carsten ihm gesagt hatte: „Ich stehe, ich sehe! Ich berichte das, was vor mir passiert.“ Diesen Leitsatz hat er immer versucht zu befolgen.

Er ist ja eigentlich Fußballer….

Handball hat er eigentlich nie gespielt, aber er hat sich immer sehr für Handball interessiert. Auch das Handball-WM-Finale 1978 Deutschland gegen die Sowjetunion hat er im Fernsehen verfolgt. Und ein oder zwei Jahre später im Sportunterricht hatte er ein einschneidendes Erlebnis. Es stellte sich ein neuer Sportreferendar vor, und das war kein geringerer als Jimmy Waltke.

Auch ging er oft zu Spielen des Landesligisten Schwarz Weiß Wehe und vom TuS Nettelstedt. Dort sah er Spieler wie eben diesen Jimmy Waltke, Rainer Niemeyer, Harry Keller oder später Oleg Gagin. Aber als besonders ausgewiesenen Handball-Experten würde er sich eher nicht bezeichnen.

1996 City-Cup in Dobova da kann er gleich mehrere Geschichten erzählen

Wer so viel in Sachen Handball unterwegs ist, der hat auch so einiges erlebt.

Ein 18 km Stau bei Hamm verhinderte, dass Christian ein Spiel um den Klassenerhalt in Hüttenberg fast verpasste. Auch nicht alltäglich ist, dass er dann das Spiel verspätet per Handy übertragen hat.

Aber die Reise und das Spiel in Dobova/Slowenien im City-Cup 1996 wird ihm noch lange in Erinnerung bleiben. Schiedsrichter die am Abend vor dem Spiel mit Bacardi Cola feierten. Beinahe hätte er vom Unentschieden gar nicht berichten können, da das deutsche Übertragungsgerät sich nicht mit der slowenischen Telefondose verbinden ließ. Christian Spönemann bekannt für seine zwei linken Hände, schaffte es dennoch mit viel Mühe. Die slowenische Blaskapelle in seinem Rücken gab ihm dann den Rest. Denn durch den Lärm, den diese Kapelle verursachte, konnte Christian den Techniker im Studio nicht mehr verstehen. Die Blaskapelle spielte ohne Unterbrechung und hatte kein Erbarmen.

“ Irgendwann habe ich gesagt, ich gehe jetzt zu irgendeiner bestimmten Uhrzeit rein. Mach was du willst, ich höre dich nicht.“

Christian Spönemann versucht verzweifelt sein deutsches Übertragungsgerät mit einer slowenischen Steckdose zu verbinden. Zlatko Feric hat dieses Foto Christian geschenkt, nachdem es jahrelang verschollen war. Foto: Stefan Gerold

Besondere Spiele gab es viele, auch Derbies natürlich

Aus den frühen 90er Jahren ist ihm vor allem ein Derby in Erinnerung geblieben. Das Pokalspiel mit doppelter Verlängerung. Robert Hedin spielte ein unglaublich gutes Spiel. Und auf der Gegenseite hielt Fynn Holpert für den TuS den entscheidenden Ball.

Oder auch Spiele, die Dirk Beuchler durch einen direkten Freiwurf nach Ende des Spiels entschieden hat. Oder auch als Daniel Svensson mal mit der Schlusssirene ein Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen entschieden hat.

Das Spiel, das ihn aber am meisten begeistert hat, war im Jahr 1997. Das Viertelfinal-Rückspiel im City-Cup gegen Ademar Leon. Das Hinspiel hatte der TuS mit 6 Toren verloren und gewann das Rückspiel mit 28:21. Ewald Humenberger hielt die entscheidenden Bälle kurz vor Schluss und Michael Altenbeck machte das Spiel seines Lebens. Auch die Fans standen wie eine Wand hinter dem TuS. Und die völlig siegessicheren Spanier (sie hatten schon Banner vorbereitet, dass sie im Halbfinale stehen) mussten sich dem kleinen TuS Nettelstedt geschlagen geben.

Ein Derby ist doch immer was Besonderes

Auch als Hallensprecher ist ein Derby etwas Besonderes.

„Es kribbelt immer mehr, man ist ein bisschen früher in der Halle. Die Luft flirrt. Alle sind so ein bisschen angespannt, wie ein Bienenkorb.“

Die Derbys in den 70er und 80er Jahren waren aber doch noch etwas anderes. Mehr Spieler waren aus Ostwestfalen-Lippe und da war mehr Gift im Spiel. Heute geht man als Spieler damit auch anders um. Ein Derby kann die Saison retten, aber auch die Saison völlig verschießen.

Wenta, Dujshebaev und Loke, alles große Namen – und die Svensson Erkrankung

Aber ein Spieler hat ihn am meisten beeindruckt. Bogdan Wenta! Vom FC Barcelona zum TuS Nettelstedt gewechselt. Bei seiner Vorstellung sprach er noch kein Wort deutsch. Als er ein Vierteljahr später zum TuS kam, sprach er deutsch. Da merkte man schon, was er für eine Persönlichkeit und was für ein Profi er war. Auf dem Platz der absolute Chef. Für Christian eine der größten Persönlichkeiten, die jemals das rote Trikot getragen hat.

In der etwas jüngeren Vergangenheit hat ihm Frank Loke, allerdings nur zu seinen besten (körperlichen) Zeiten, gefallen. Immer anspielbereit, immer brandgefährlich.

Auch als Talant Dujshebaev 1997 für ein Jahr an den Wiehen kam, hat ihm das schon sehr gefallen.

Aber auch das Schicksal von Daniel Svensson mit seiner Krebserkrankung hat ihn berührt. Die Erinnerung an die Verabschiedung dieses Spielers lässt ihn doch zweimal schlucken.

Kommentator, Moderator, Hallensprecher, ein Mann mit Stimme

Ende 1998 hat er Radio Westfalica Richtung Süddeutschland verlassen. In München hat er viele Fußball-Spiele der 1. und 2. Liga kommentiert, die man sich damals in voller Länge anhören konnte. 2002 kehrte er nach OWL zurück. Radio Westfalica, Radio Herford, Radio Lippe sind seine Stationen. Und nebenher hat er immer wieder Fußball kommentiert. In Halle bei den Gerry Weber Open, die er als das Highlight seiner Karriere bezeichnet, war er Stadionsprecher und begegnete Tennisgrößen wie Roger Federer. Auch war er Hallensprecher beim TBV Lemgo, während seiner Zeit bei Radio Lippe.

Seit 10 Jahren ist er inzwischen Hallensprecher des TuS N-Lübbecke. Der TuS ist immer sein Herzensverein gewesen. Dem ist er auch immer treu geblieben. Und solange man ihn in Lübbecke noch hören möchte, bleibt er dabei.

Die nächste Saison wird die große Unbekannte

Der TuS und die nächste Saison. Gibt er eine Prognose ab?

Wie die nächste Saison wird, das weiß ja noch keiner. Was hat Corona mit den Mannschaften und Spielern gemacht? Man weiß bis jetzt noch nicht wie viele Zuschauer dabei sind. Der Heimvorteil wird fast wegfallen.

Favorit mit ordentlich Druck ist der Vfl Gummersbach. Aufsteigen muss bzw. aufsteigen sollte der Vfl. Sie haben sich prominent verstärkt, auf dem Feld und auf der Trainerbank.

Der TuS mit 8/9 neuen Spielern ist gut ergänzt worden. Seiner Meinung nach ist die Mannschaft diese Saison individuell stärker als in der abgelaufenen Saison. Eine große Aufgabe für Trainer Emir Kurtagic wird es sein diese neu aufgestellte Mannschaft zusammenzuführen. Aber Emir hat letzte Saison schon bewiesen, dass er das kann. Und die einzelnen Spieler sind durchaus motiviert. Auf eine Saisonprognose möchte er sich aber doch nicht einlassen.

Social Media und Handball, geht da noch mehr?

Seiner Meinung nach hat der Handball ein Vermarktungsproblem und könnte eigentlich viel mehr aus seinen Möglichkeiten machen. Der Handballsport ist eine unheimlich attraktive Sportart und unglaublich schnell und dynamisch. Nur wenn man in die Hallen schaut, fehlt doch häufig das junge Publikum, und genau da müsste Social Media greifen.

Handball-Blogs liest er natürlich diesen hier (ich habe jetzt auch gar nichts anderes erwartet, mein Lieber!!!!) Und er findet ihn sogar klasse! Diese Handballregion hier verträgt einen Handball-Blog. Natürlich hat er den Blogbeitrag mit Carsten Dehne gelesen und hat sich sehr gefreut, dass auch er zweimal erwähnt wurde. Auch diese Zeitreise zurück, fand er ganz klasse.

Podcasts hört er gerne, aber der hat gar nichts mit Sport zu tun. Er mag den Podcast von Atze Schröder und Till Hohneder „die zärtlichen Cousinen“. Hört mal rein, ist irre witzig.

Mein Vorschlag zum Schluß: Ein Podcast für den TuS mit Christian

Gibt es solche Ideen beim TuS? Christian wäre da wohl offen für. Ja im Moment gibt es aber sicherlich viele andere Baustellen für die Handballvereine. Themen wie Finanzen, Hygieneauflagen und Hallenkapazität sind wichtiger. Aber so ein Podcast wäre durchaus zum Vorteil für den TuS. Ich würde ihn mir auf alle Fälle anhören. Denkt mal drüber nach TuS N-Lübbecke!

Vielen Dank für das Gespräch!

Bildergalerie:

Veröffentlicht von Nadine H.

Hi, ich bin Nadine Seit meiner Kindheit an, hat der Handball immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Nachdem ich viele Jahre selbst aktiv gespielt habe, hat der Handball-Virus mich nicht mehr los gelassen. Gut das mit GWD Minden ein erstklassiger Verein in meiner Heimatstadt zuhause ist. Aber auch der Handball über die Mindener Grenze interessiert mich. Die Spiele der Nachbarvereine, anderer Bundesligavereine und der Nationalmannschaft interessieren mich

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