Mühlenkreis-Handballer im Blickpunkt! Teil 2! Heute mit André Fuhr

Teil 2

 

Da das Gespräch mit André Fuhr so unglaublich interessant war, habe ich mich entschieden einen zweiten Teil des Gesprächs zu veröffentlichen.

Hier geht es vor allem um den Frauenhandball, seine Arbeit bei Borussia Dortmund und die verweigerte Meisterschaft.

Gerade, dass Borussia Dortmund die Meisterschaft verwehrt wurde, können viele nicht nachvollziehen. Auch ich habe hier schon einmal über das Urteil des HBF geschrieben. Ich fand und finde einfach die schnodderige und respektlose Art der HBF unpassend und nicht länger tragbar. Das war ein harter Schlag für André Fuhr und seine Mannschaft. Umso mehr freue ich mich, dass André da ausführlich drüber gesprochen hat. Bemerkenswert, dass er in unserem Gespräch doch unaufgeregte und milde Worte gefunden hat.

Er ist Handball-Trainer! Damen-Trainer, aber bewusst dafür entschieden hat er sich nicht

Bewusst hat er sich nicht für den Damen-Handball entschieden. Seiner Meinung nach ist es eher schwierig, wenn man keine große Spielerlaufbahn gehabt hat, dann in den Männerbereich zu kommen.

„Und in Deutschland ist es so, dass wenn man erst mal Damentrainer ist, dann kommt man schwer aus dieser Schublade heraus. Und ich bin jetzt schon sehr lange in dieser Schublade. Von daher wird es noch schwieriger herauszukommen. In anderen Ländern ist das nicht. Da gibt es keine Unterscheidung Damen und Herren Handballtrainern. Sondern Handballtrainer ist Handballtrainer. In Skandinavien ist das so, in Ungarn ist das so. Und da wechselt man auch durchaus die Seiten. Dies ist in Deutschland relativ schwierig.“

Aber einen Nachteil sieht er darin nicht.

Beim Thema Unterschiede zwischen Damen und Herren Handball kommt André ins Schwärmen. Der größte Unterschied ist erst einmal, dass die Damen viel zu wenig Geld bekommen. Aber die Art zu trainieren, der Aufwand im Spitzenbereich, die Spielvor-und Nachbereitung bei den Damen ist ähnlich wie bei den Herren.

Den Frauen fehlt meist die Kraft aus der Fernwurfzone zuwerfen und dich dann die tiefen Räume am Kreis nicht so sehr öffnen. Frauen sind aber extrem handlungsschnell und in Deutschlands und in Europas Spitze wird sehr schneller Handball gespielt. Man kann sehr, sehr attraktiven Handball auf technisch hohem Niveau beobachten.

Männer spielen oft mehr in der Kleingruppe, kommen sehr viel über das Kreisläuferspiel und über 2:2, 3:3 Situationen. Das hat auch seinen Reiz.

„Ich glaube aber das tatsächlich, nicht weil ich da Trainer bin, sondern weil ich wirklich dieser Meinung dieser Überzeugung bin. Der Frauenhandball ist eine sehr, sehr attraktive Frauensportart. Ich mag z. B. keinen Frauenfußball, ich finde auch Frauenbasketball sehr seltsam. Ich glaube, der Frauenhandball muss sich nicht verstecken, da sind die Spielerinnen inzwischen sehr athletisch unterwegs.“

Frauenhandball ist ein attraktiver Sport

Besonderen Wert legt er auf Handlungsschnelligkeit im Überschlag-und Umschlagsspiel, die Spitzennationen wie Norwegen und die Niederlande spielen. Das ist schon ein extrem attraktiver Sport. Auch vergisst er nicht zu betonen, dass man sich von dem Klischee des Hausfrauensports wirklich verabschieden kann.

Er war 16 Jahre in Blomberg – sein handballerisches Baby

Alle gemeinsam haben in Blomberg sehr viel aufgebaut. Blomberg steht für Nachwuchsförderung auf ganz hohem Niveau. Die Ausbildung von Xenia Smits und Alicia Stolle, die jetzt zum festen Stamm der Nationalmannschaft gehören, sprechen für sich. Dass man diese Talente letztendlich aus wirtschaftlichen Gründen ziehen lassen musste, das musste er aber erst akzeptieren lernen. Aber es gab auch sportliche Erfolge. Viermal wurde der Europapokal erreicht, viermal wurde das Final Four im DHB-Pokal erreicht und zweimal davon war man im Finale. Deutscher Meister wurde die A-Jugend einmal und siebenmal deutscher Vizemeister.

Nach 16 Jahren in Blomberg wurden dann auch mal Offerten anderer Vereine interessant.

„Dann muss man auch mal gehen. Wenn man einen Titel gewinnen will, muss man sich einen anderen Verein suchen.“ 

Der Schritt zum TuS Metzingen war ein großer für ihn. Nach einem Jahr Metzingen mit Tabellenplatz drei ging es zu Borussia Dortmund. Ein riesengroßer Verein mit der Fußball-Tradition. Das ist anders als in Blomberg oder Metzingen. Die Rolle, die der Frauenhandball einnimmt, ist in Dortmund geringer. Aber mit dem Fußballverein im Rücken sind ganz andere wirtschaftliche Möglichkeiten da. Der gute Kader in der letzten Saison, der dann Platz eins gebracht hat. Es ist etwas schneller gegangen als erwartet, diese Mannschaft zusammenzuführen. Leider wurde dann diese Saison durch Corona zu früh beendet.

Borussia Dortmund ist ein Verein, der diesen Spagat aus Nachwuchsförderung und Spitzenposition 1. Bundesliga geht. Das ist immer eine Herausforderung, denn es gelingt selten, dass ein Talent von der Jugend, in die Spitze der ersten Liga kommen kann. Das mag er aber und ist sehr engagiert.

 

Saisonabbruch und kein Meistertitel für den BVB

Wie bitter, wenn eine Saison abgebrochen wird, und man steht auf Platz eins. Das hat  auch ihn und seine Mannschaft tief ins Mark getroffen. Man kann der Meinung sein, dass man nicht deutscher Meister ist, wenn man noch ein Drittel der Saison spielen muss. Dem hätte er sich auch absolut anschließen können. Aber akzeptieren kann er nicht, dass die Männer anders verfahren haben. Handball ist Handball. Warum man da keine einheitliche Lösung gefunden hat, ist ihm schleierhaft. Natürlich weiß er das die Ligen HBL und HBF autonom entscheiden. Aber der normale Mensch in Deutschland der hat das nicht verstanden. Und wie schwierig muss das gewesen sein, das den Spielerinnen zu erklären. Der Saisonabbruch war unglaublich früh. Zu früh? Aber alternativlos. Aber in der Art der Kommunikation und der Mitnahme der Clubs etwas eigenartig.

Dann ging es durch alle Medien. Auch die Äußerungen der HBF „Nun hat der Frauenhandball endlich die Aufmerksamkeit, die er immer braucht. Die haben natürlich niemanden gefallen. 

„Das Herz eines Sportlers, der sich um diesen Titel gebracht sieht, das schlägt anders. Und man fühlt sich sehr missverstanden. Wenn solche Kommentare aus dem Präsidium der HBF kommen, die einfach den Respekt haben vermissen lassen.“

Am Ende steht nach dieser wirklich guten Saison die Champions-League-Qualifikation. Das ist im Vereinssport, dass Höchste, was es gibt. Das ist das erste Mal für Borussia Dortmund, für viele Spielerinnen und für André. Die Vorfreude ist groß. Der Fokus liegt aber schon auf der neuen Saison. Die Mannschaft, die auf vielen Positionen zusammen geblieben ist, wird wieder angreifen. Auch wird man versuchen, sich Titel zu holen. Zusätzlich steht noch die Austragung des Final Fours an, da hofft man natürlich noch auf eine Austragung. Die gute Saison hat natürlich Anerkennung gebracht, aber am Ende wünscht man sich einen Titel. Eine deutsche Meisterschaft ist ein Titel für die Ewigkeit. Und die Enttäuschung ist groß, wenn man jetzt die Bilder vom THW sieht, wo die deutsche Meisterschaft gefeiert wird. Da blutet schon das Borussen-Herz. Warum man keine einheitliche Entscheidung herbeiführen konnte, bleibt schleierhaft. Kaffeesatzleserei ist auch, dass man noch in Bietigheim hätte spielen müssen und dort hätte verlieren können. Dortmund hat diese Saison aber auch schon zweimal gegen Bietigheim gewonnen. Wenn man die Saison abbricht, sollte man den Stand nehmen, der zu dem Zeitpunkt aktuell war.

Von den Clubs der Bundesliga hat er ein wenig den Respekt vermisst. Wenn Bietigheim sagt, wir nehmen die Tabelle der Vorsaison. Da war Dortmund nur siebter. Wo ist dann der Respekt vor der Leistung des BVB und wo erkennt man an, dass es da eine Entwicklung gegeben hat.

Auch kann die Marke Borussia Dortmund für den Frauenhandball noch sehr wichtig werden. Dank Borussia Dortmunds Bemühen gab es einen großen medialen Druck. Klar war ihm, dass es bei dieser Entscheidung bleiben würde. Auch die Meldung das es sich um Diskriminierung und mangelnden Respekt vor Frauen handelte, dem konnte er nicht folgen. Das war auch seiner Meinung nach nicht der Grund. Man kann auch durchaus der Meinung sein, das der THW Kiel nicht hätte Meister werden dürfen.

„….. und ich kann an der Stelle auch fragen: „Wem nützt es denn, wenn wir ohne deutschen Meister dastehen? …… Man kann es stundenlang diskutieren. Das ist ja auch passiert und das habe ich auch machen müssen. Irgendwann war ich es wirklich bitterleid …… Am Ende bleibt das 98 % der Menschen nicht verstanden haben, warum im Handball zwei unterschiedliche Entscheidungen getroffen worden sind. Da wäre eine Absprache nötig gewesen.“

Meister der Herzen, hört er jetzt nicht so gerne…..

Meister der Herzen ist was für Schalker. Und Dortmunder wollen da gar nichts von hören. Das hat irgendwas von Mitleid. Er ist der Trainer des Tabellenführers einer abgebrochenen Saison.

 

Zum Schluss könnte er sich noch seine Traum-Spielerin zusammen basteln. Wen würde er da nehmen? Und bei seiner Antwort kommt auch wieder der erfahrene Team-Player in ihm zum Vorschein.

„Eine Spielerin basteln möchte ich mir jetzt nicht. Und wenn ich da jetzt mehrere hervorheben würde und daraus jetzt die Fähigkeiten nehmen würde, wären jetzt andere beleidigt. Ich hatte das Glück, das ich viele spannende Spielerinnen trainieren durfte und immer noch darf. Immerhin habe ich vier Weltmeisterinnen in meinem Kader. Das ist etwas ganz Besonderes. Ich habe tolle Angreiferinnen und tolle Abwehrspielerinnen immer mit unterschiedlichen Qualitäten …….. es gibt nicht den Prototypen einer Spielerin.“

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Borussia Dortmund 1 (2)
Wäre ich ein Mann, wäre ich jetzt deutscher Meister! Mit dieser Aktion protestierten die Dortmunder Damen

 

Borussia Dortmund 4
Das Team von Borussia Dortmund
André Fuhr 2 (2)
André im Interview

André Fuhr 1 (2)

André Fuhr 3 (2)
André in Action

 

Fotos Borussia Dortmund und privat

 

Veröffentlicht von Nadine H.

Hi, ich bin Nadine Seit meiner Kindheit an, hat der Handball immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Nachdem ich viele Jahre selbst aktiv gespielt habe, hat der Handball-Virus mich nicht mehr los gelassen. Gut das mit GWD Minden ein erstklassiger Verein in meiner Heimatstadt zuhause ist. Aber auch der Handball über die Mindener Grenze interessiert mich. Die Spiele der Nachbarvereine, anderer Bundesligavereine und der Nationalmannschaft interessieren mich

%d Bloggern gefällt das: