Zur Entlassung des Bundestrainers Christian Prokop

Entlassung per Telefonanruf

In meiner Facebook-Timeline kommt die Meldung

Mit einer humorlosen Pressemeldung gab der deutsche Handballbund letzten Donnerstag bekannt, dass Christian Prokop nicht mehr Bundestrainer ist. Als ich diese Meldung in meiner Facebook-Timeline sah, dachte ich zuerst an einen Scherz. Das konnte doch jetzt nicht sein! Warum denn jetzt? Die angepeilte Medaille war bei der EM ja nicht erreicht worden. Okay war aber meiner Meinung nach auch viel zu hoch gegriffen. Ein guter 5. Platz war das maximal Erreichbare. Und dann war da noch der Treueschwur für Christian Prokop. Dass das alles nichts wert ist, ist jetzt klar.

Nachfolger Alfred Gislason

Und ein Nachfolger wurde auch gleich präsentiert. Kein Geringerer als Alfred Gislason wird das DHB-Team durch die Olympia-Qualifikation führen. Der 60-jährige Ex-Trainer unter anderem vom THW Kiel und SC Magdeburg tritt ausgerechnet die Nachfolge an.

Das Sky-Interview nervt mich

Ich habe diese Kündigung erst mal verdauen müssen. Ich wollte abwarten. Was kommt denn sonst noch so an dreckiger Wäsche ans Licht. Eine Woche der Empörung später bin ich immer noch sauer. Das Sky-Interview mit Uwe Schwenker am Rande des Champions-League-Spiels in Kiel nervt mich so sehr. Also schreibe ich jetzt hier diese Zeilen.

Entscheidung zur Entlassung kurzfristig gefallen

Am Donnerstagabend ließen die Nationalspieler und Nationalmannschafts-Manager Oliver Roggisch durchblicken, das diese Entscheidung nicht mit ihnen abgesprochen war. Vor allem Kapitän Uwe Gensheimer zeigte sich geschockt und konnte seine Enttäuschung nicht verbergen.

Trennung hat ausschließlich sportliche Gründe

In der Antritts-Pressekonferenz vom neuen Bundestrainer Alfred Gislason am vergangenen Freitag, kamen reichlich Zweifel auf. Die Michelmann-Aussage, die Trennung hätte ausschließlich sportliche Gründe gehabt, widerlegte Liga-Chef Uwe Schwenker prompt, wenn auch unabsichtlich. Er (Schwenker) war der Einzige der Kontakt mit Alfred Gislason gehabt hätte. Und er wusste das Gislason in Kontakt mit einem anderen Verband stehen würde. Also bestand Handlungsbedarf, wenn man Alfred haben wollte. Denn jetzt wäre die letzte Chance. Alfred Gislason war wohl schon einmal der Wunschkandidat. 2017 nach Dagur Sigurdssons Abschied. Ein Vertrag kam damals nicht zustande, weil Gislason noch in Kiel gebunden war.

Bob Hanning versteckt sich im weißen Hemd und Anzug auf der Pressekonferenz

Bisher ist Bob Hanning ja eher mit schrillen Outfits, Sticheleien und ausufernden Redefluss aufgefallen. Von all diesem war auf der Pressekonferenz nichts zu sehen. Sehr wortkarg und unauffällig saß er in der Reihe. Nur einmal sprach er ein paar Worte mehr. Da ging es darum, dass er nicht zurücktreten werde. Auch Uwe Schwenker bekräftigte noch mal den Treueschwur zu Bob Hanning. Er ist auf jeden Fall bis 2021 dabei. Auch hätte Bob Hanning sich bei der Entscheidung zum Trainerwechsel zurückgehalten.

Wie viel diese Treueschwüre des DHB-Präsidiums wert sind, hat man ja am Donnerstag gesehen.

Schwenker und Gislason seit Langem eine Einheit

Eine schlechte Figur (nicht nur körperlich) machte auch der Präsident des DHB Dr. Andreas Michelmann. Wortführend war bei dieser Pressekonferenz immer wieder Liga Boss Uwe Schwenker (gerade der!). Er war der Alleinverantwortliche, er hat den Alfred praktisch im Alleingang verpflichtet. War ja auch abzusehen, da Alfred Gislason Tage zuvor öffentlich bekannt gegeben hatte, dass er gerne wieder eine Mannschaft übernehmen würde. Wie gut, dass Schwenker und Gislason schon lange in Kontakt stehen.

Die Entscheidung hat das gesamte Präsidium getroffen?

Laut DHB-Präsident Michelmann besteht das Präsidium aus 10 Personen. Und die Entscheidung, Christian Prokop zu entlassen, wäre 10:0 ausgegangen. Im Nachsatz kam dann: „Wir entscheiden immer 10:0.“ Ich kann mich da noch an die Abstimmung nach der EM 2018 erinnern. Da hieß es, dass nur 7 Mitglieder anwesend waren und man ganz knapp für den Verbleib des Bundestrainers Christian Prokop gestimmt habe. Passt ja irgendwie gar nicht!

Die Woche des Bob Hanning im Zeitraffer:

  • Montag: Die Entscheidung getroffen, den Trainer zu entlassen.
  • Dienstag: Vertragsverhandlungen mit Alfred geführt.
  • Mittwoch oder war es Donnerstag?: Christian Prokop wurde telefonisch(!) die Trennung mitgeteilt. Kurz danach wurden auch die Nationalspieler und die Presse informiert.

Und da blieb keine Zeit für ein persönliches Gespräch mit Christian Prokop? Schmonzetten-Theater ist das. Jeder versucht, am besten aus der Sache herauszukommen. Jeder versucht, sich hinter dem anderen zu verstecken. Pfui!

Eine Entlassung per Telefon

Dass Christian Prokop von seiner Entlassung komplett überrascht wurde und enttäuscht ist, ist durchaus nachvollziehbar. Er hat einen tollen Job gemacht und hätte diesen Weg kontinuierlich und erfolgreich weiter verfolgt. Aber rückblickend, muss man sagen, dass er eigentlich nie eine Chance bekommen hat. Für viel Geld als Ligatrainer freigekauft worden, das hat viele Neider auf den Plan gerufen. Und diese Neider meldeten sich auch regelmäßig zu den Großereignissen. Ich meine da so die ehemaligen Nationalspieler um Daniel Stephan und Christian Schwarzer. Schade, dass jetzt keiner von den beiden zum Bundestrainer ernannt wurde.

Dann gab es vereinsintern (oft in Person von Bob Hanning) immer wieder Äußerungen, die die Arbeit mit der Mannschaft stören sollten. Vielleicht ist es besser so, dass der Christian Prokop endlich wieder Ruhe bekommt. Er muss sich nicht mehr ständig rechtfertigen und erklären. Die Ligavereine werden sich um ihn reißen, und dort wird er auch wieder die Wertschätzung erfahren, die er verdient.

Vielen Dank für alles, Christian Prokop!

Ein paar Worte zum neuen Bundestrainer Alfred Gislason

Ohne Frage, ist Alfred einer der besten und erfolgreichsten Vereinstrainer der HBL. Aber ist er auch ein Nationaltrainer? In Magdeburg und beim THW Kiel hat er sich seine Mannschaften zusammen kaufen lassen. Hat mit dem THW als Ligaprimus immer die besten und teuersten Spieler bekommen. Nur waren das meist keine deutschen Talente. Alfred gilt als harter Hund und kann man einem gewissen ehemaligen Linksaußen glauben, schickt er auch verletzte Spieler aufs Feld (Bist du Mann oder Maus?). Mit seinen 60 Jahren ist Alfred auch nicht mehr der jüngste und innovativste Trainer.

Ein Nationaltrainer muss für seinen Job brennen

Alfred ist ein kühler Isländer, der brennt nicht. Wer eigentlich schon mit dem nächsten Arbeitgeber (man munkelt Russland) einig war, lässt alles Stehen und Liegen um dann für den DHB zu unterschreiben. Ich befürchte wirklich, dass Alfred nicht lange Trainer des DHB-Teams bleiben wird.

Veröffentlicht von Nadine H.

Hi, ich bin Nadine Seit meiner Kindheit an, hat der Handball immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Nachdem ich viele Jahre selbst aktiv gespielt habe, hat der Handball-Virus mich nicht mehr los gelassen. Gut das mit GWD Minden ein erstklassiger Verein in meiner Heimatstadt zuhause ist. Aber auch der Handball über die Mindener Grenze interessiert mich. Die Spiele der Nachbarvereine, anderer Bundesligavereine und der Nationalmannschaft interessieren mich

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